Das Taxieren und Analysieren der Keeper ist zu einer Volksbeschäftigungsbewegung geworden. Es werden Top-Ten-Listen angelegt, Paraden archiviert und ins Internet gestellt, sodass ganze Galerien der Torwartkunst draus werden.
Aber ging es denn nicht nur ganz simpel ums Fangen von Fußbällen, um Hechtsprünge und eine Faustabwehr? Mitnichten. Das Handwerk des Hüters ist nicht zu unterschätzen. Die nervliche Anspannung ist enorm, vor allem, wenn die Nummer eins bei fünf Grad minus unterbeschäftigt zwischen den Pfosten ausharrt und erst in der 63. Minute den ersten Schuss parieren muss. Die mentale Anstrengung, kostet körperliche Substanz, mitunter drei Kilogramm pro Spiel. Torwart sein, das ist ein verdammt harter Job.Für einen Torhüter es deswegen schwer, das Metier des Fängers locker zu betreiben, zu kontrollieren, was eigentlich nicht zu kontrollieren ist. Denn wenn der Stürmer clever ist, dann schiebt er den Ball ins Netz, gewissermaßen als Krönung einer fußballerischen Penetration.
Er ist gefickt - und er fühlt sich auch so.
Während der Stürmer orgasmische Freude erlebt, ist es beim letzten Mann ganz anders: "Der Torwart, der den Ball hineingeschossen bekommt, würde den Vorgang niemals als beglückende Kopulation erleben. Kahn hat diesen Moment sehr gut beschrieben:"Und ich bin der Arsch. Gänsehaut überzieht meinen Körper. Das ist der Moment der totalen Einsamkeit."
In einer Welt der übersteigerten Männlichkeit verlangt es titanischen Mut, sich jeden Samstag so einer Situation auszusetzen. In der Woche hat er im Training alles getan, um im Punktspiel gewappnet zu sein. Er will diese Art der öffentlichen Demütigung vermeiden, und dann passiert es doch wieder....